Die Geschichte der Burg reicht ins ausgehende 14. Jahrhundert zurück. Erbaut wurde sie von den Rittern Hausmann von Andernach — unter Einbeziehung des Adelshofs Niederhof entstand eine kleine Wasserburg. Aus der Entstehungszeit stammt die L-förmige Anlage mit zwei Ecktürmen und einem kleinen Treppenturm; der Treppenturm am Erweiterungsflügel im Renaissancestil kam Mitte des 16. Jahrhunderts hinzu, der Wirtschaftstrakt 1650 und 1703, um 1700 die Remise als Fachwerkhaus mit Tor.
Nach häufigen Eigentümerwechseln kam die Burg 1896 in den Besitz des Freiherrn von Solemacher, der sie im Stil des Historismus zum Schloss um- und ausbauen ließ. Durch die Aufstockung um ein Wohngeschoss und zwei Seitenflügel erhielt das Gebäude seinen U-förmigen Grundriss.
Die Hohenzollern in Namedy
1907/08 erwarben Prinz Carl-Anton von Hohenzollern und seine Gattin Prinzessin Joséphine von Belgien, die Schwester König Alberts I., Burg Namedy als Wohnsitz. Carl-Anton machte viele bauliche Änderungen seiner Vorgänger rückgängig und gab den Anbau mit dem großen Spiegelsaal in Auftrag. Lange festlich genutzt wurde der Saal zunächst nicht: Im Ersten Weltkrieg diente er als Lazarett, geführt von der Hausherrin. In den 1930er Jahren erhielten Treppen- und Südostturm ihre barockisierenden Hauben.
Vom Dornröschenschlaf zum Kulturzentrum
1988 erbte Prinz Godehard von Hohenzollern das stark heruntergekommene Anwesen. Er begann mit der Restaurierung — an der Wiederherstellung des Spiegelsaals war 2003 auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt — und entwickelte das Schloss zu einem kulturellen Zentrum. Das Kammermusikfestival „Andernacher Musiktage auf Burg Namedy" entstand; Yehudi Menuhin übernahm bis zu seinem Tod 1999 die Schirmherrschaft. Seit Godehards Tod im Jahr 2001 leitet seine Witwe Heide Prinzessin von Hohenzollern das Haus und sein Kulturprogramm.
Heute umfasst das Programm rund 30 Veranstaltungen im Jahr — Klassik und Jazz, Theater, Lesungen, Kunstausstellungen und Tanzprojekte, dazu ein Weihnachtsmarkt. Kulturpartner sind unter anderem das Beethovenfest Bonn, die Stiftung Villa Musica, der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Andernach.
Besuch
Das Schloss liegt im Rheintal nördlich des Dorfes; dahinter beginnen die bewaldeten Hügel der Eifel. Der Rheinradweg EuroVelo 15 führt unmittelbar am Schlosspark vorbei, ebenso der Eifel-Camino der Jakobspilger. Die Innenräume sind nur im Rahmen von Veranstaltungen zugänglich. Führungen für Gruppen ab sechs Personen sind auf Deutsch und Englisch nach vorheriger Anmeldung möglich.