
Geysire kennt man aus Vulkangebieten als heiße Wassersäule. Der Andernacher Geysir funktioniert anders: Ihn treibt Kohlensäure an, nicht Hitze. Im Untergrund löst sich Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs im Grundwasser. Steigt das Wasser im Bohrloch auf, fällt der Druck, das Gas perlt aus — und reißt die Wassersäule mit nach oben. Der Ausbruch kündigt sich durch Zischen und Gurgeln an.
Das Vorkommen gehört zur vulkanischen Geschichte der Landschaft: Direkt im Hinterland beginnt die Eifel mit ihren Maaren und erloschenen Vulkankegeln. Der Geysir ist Teil des Vulkanparks und des Geoparks Vulkanland Eifel.
Vom Namedyer Sprudel zum Publikumsmagneten
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beobachtete man im toten Rheinarm aufsteigende Gasblasen. Eine Bohrung um 1903/04 zur Erschließung des Kohlensäure- und Wasservorkommens brachte den Geysir erstmals zum Springen — rund 40 Meter hoch. Als „Namedyer Sprudel" wurde das Vorkommen gewerblich genutzt und schon 1912 touristisch vermarktet. Zwei Weltkriege richteten erhebliche Schäden an; 1957 kam der Sprudel endgültig zum Erliegen.
1985 wurde das Namedyer Werth Naturschutzgebiet. 2001 begannen im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsstudie erfolgreiche Erkundungsbohrungen. Nach Erteilung der Genehmigungen wurde das Naturschauspiel 2006 mit dem „Ersten Geysir-Sommer" wieder für die Öffentlichkeit geöffnet.
So läuft ein Besuch ab
- Erlebniszentrum: Der Besuch beginnt im Geysir-Museum in Andernach mit einer interaktiven Ausstellung zu Vulkanismus und Geysir.
- Schifffahrt: Vom Anleger geht es über den Rhein zur Halbinsel Namedyer Werth.
- Ausbruch: Auf dem Werth wird der Ausbruch aus nächster Nähe beobachtet.
- Rückfahrt: Anschließend bringt das Schiff die Gäste zurück nach Andernach.
Die Halbinsel ist ausschließlich per Schiff erreichbar. Hunde und andere Haustiere sind auf dem Geysirgelände und im Museum nicht erlaubt; ausgenommen sind Assistenzhunde.