NamedyAndernach am Rhein

Geschichte

Achthundert Jahre Urkunde — und deutlich mehr Siedlung

Namedy entstand nicht an einem Punkt, sondern aus drei Keimzellen: einem Gutshof, einem Kloster und einem Adelshaus.

Illustration des mittelalterlichen Namedy mit Kloster und Wasserburg
Namedy im Mittelalter: Klosterkirche und Wasserburg als Keimzellen des Ortes.

Die Ursprünge des Ortes reichen in keltische Zeit zurück; Siedlungsfunde weisen weit in die vorchristliche Epoche. Urkundlich fassbar wird die Siedlung um 1200 unter Namen wie „Naymde", „Namedich" oder „Namedei". Entwickelt hat sie sich im Lauf des 10. und 11. Jahrhunderts um einen Gutshof der Familie von Sumersberg, genannt „Romeschuttel".

1255 kam das Zisterzienserinnenkloster „Unserer lieben Frau" hinzu. Als dritter Siedlungskern gilt die Niederlassung des Adelsgeschlechts der Hausmann, deren Haus im 14. Jahrhundert zu einer Burg ausgebaut wurde — der heutigen Burg Namedy. Rechtlich unterstand Namedy dem Kölner Erzbischof; wie Miesenheim und Kell gehörte der Ort seit dem Frühmittelalter zum Fiskalbesitz Andernach.

Der Name kommt nicht aus dem Französischen, wie viele annehmen, sondern aus dem Keltischen — und soll „feuchte Aue" oder „heiliger Hain" bedeuten.Stadt Andernach, Grußwort aus Namedy

Der Rhein formt den Ort

Auf der Preußischen Uraufnahme von 1843 ist dem Ort noch eine Rheininsel mit Mühle vorgelagert. Im Zuge der Flussregulierung entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sieben Kribben und ein Damm Richtung Andernach. Durch Verlandung und Aufschüttung wurde aus der Insel eine Halbinsel — zurück blieb der „tote Rheinarm", heute ein Vogelschutzgebiet. Bis in die Kartenwerke der 1980er Jahre hieß die Halbinsel noch „Krummenwerth".

Ein Zeltlager mit prominentem Betreuer

Von 1929 bis 1931 fanden auf dem Namedyer Werth die sogenannten Kinderrepubliken statt, Zeltlager der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Einer der Betreuer war ein junger Mann, der damals noch Herbert Frahm hieß — der spätere Bundeskanzler Willy Brandt.

Vom Dorf zum Stadtteil

Die rheinland-pfälzische Kommunalreform kostete 1969 über 300 Gemeinden ihre Selbstständigkeit. Namedy war am 7. Juni 1969 der erste Andernacher Stadtteil; Eich, Kell und Miesenheim folgten ein Jahr später. 1969 zählte der Ort 1.165 Einwohner, heute sind es rund 1.400.

Zeitleiste

  1. 10./11. Jh.

    Siedlung um den Gutshof „Romeschuttel" der Familie von Sumersberg.

  2. um 1200

    Erste urkundliche Erwähnung als „Namedei".

  3. 1255

    Gründung des Zisterzienserinnenklosters „Unserer lieben Frau".

  4. 14. Jh.

    Das Haus der Ritter Hausmann wird zur Wasserburg ausgebaut.

  5. 1521

    Zweischiffige Erweiterung der Pfarrkirche St. Bartholomäus.

  6. 1843

    Die Preußische Uraufnahme zeigt noch die Rheininsel mit Mühle.

  7. 1892

    Gründung des Männergesangvereins „Frohsinn".

  8. 1903/04

    Erste Bohrung auf dem Werth — der Namedyer Sprudel springt rund 40 Meter hoch.

  9. 1910

    Gründung der Turngemeinde Jahn Namedy.

  10. 1929–1931

    Kinderrepubliken auf dem Werth, mit Herbert Frahm alias Willy Brandt als Betreuer.

  11. 1958

    Gründung der Namedyer Karnevalsgesellschaft.

  12. 7. Juni 1969

    Namedy wird erster Stadtteil von Andernach.

  13. 1985

    Das Namedyer Werth wird Naturschutzgebiet.

  14. 2006

    Erster Geysir-Sommer: das Naturschauspiel kehrt zurück.

Literatur: Werner Rousek, Die Geschichte von Namedy. Von der Vorgeschichte bis ins 20. Jahrhundert, Görres Verlag, Koblenz 1998.

Häufige Fragen

Gut zu wissen

Wann wurde Namedy erstmals urkundlich erwähnt?

Um 1200 erscheint die Siedlung urkundlich als „Naymde“, „Namedich“ oder „Namedei“. Keltische Siedlungsfunde reichen deutlich weiter zurück.

Woher kommt der Name Namedy?

Der Name stammt aus dem Keltischen und wird als „feuchte Aue“ oder „heiliger Hain“ gedeutet. Mundartlich heißt der Ort „Namde“.

Was ist vom Kloster erhalten?

Allein die Klosterkirche — die heutige Pfarrkirche St. Bartholomäus, deren ältester Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt.